Die private Unfallversicherung – Lohnt sich ein Abschluss?

Private Unfallversicherung InvalideEs gibt bei dem Thema der privaten Unfallversicherung oft viele Missverständnisse. Wird sich durch einen Fahrradsturz ein Bruch des Handgelenkes zugezogen oder kommt es während dem Training zu einem Kreuzbandriss, bietet eine private Unfallversicherung einen verlässlichen Schutz – oder etwa doch nicht? Nein. Denn zu einer Zahlung durch die Versicherung kommt es nur, wenn durch den erlittenen Unfall bleibenden Schäden verursacht worden. In der Regel ist es in finanzieller Hinsicht kein Drama, sich das Bein bei einem Ausrutschen auf einer glatten Fläche zu brechen. Die private Unfallversicherung zahlt dafür keine Leistungen, daher ist sie für solche Eventualitäten nicht nötig.

Private Unfallversicherung – Wann zahlt sie?

Zahlungen durch die private Unfallversicherung zu erhalten, kommt nur unter speziellen Voraussetzungen vor.
Die hauptsächliche Voraussetzung, die erfüllt sein muss besteht darin, dass die Invalidität, also die körperlichen Schäden, dauerhaft sind. Dies meint also einen Schaden der Gesundheit, der auch in Zukunft wahrscheinlich mehr als drei Jahre lang bestehen bleiben wird.
Das heißt, dass sogar ein Unfall mit dem Motorrad, wegen dem Wochen im Krankenhaus verbracht werden, die Zahlung der privaten Unfallversicherung nicht sicher ist. Wird der Patient wieder komplett gesund, gibt es kein Geld. Dazu zählen aber auch relative Kleinigkeiten. Kann ein Knie zum Beispiel nicht mehr gebeugt werden, würde die Unfallversicherung einen Teil der Versicherungssumme auszahlen. Darüber hinaus gibt es von der privaten Unfallversicherung nur dann Geld, wenn die Schäden tatsächlich auf einen Unfall zurückzuführen sind. In der Regel gilt ein Unfall nur ein Ereignis, das plötzlich auf den Körper von außen eingewirkt hat. Wenn eine Person grundlos stürzt, dann bedeutet dies nicht, dass es sich hier um einen Unfall für die Versicherung handelt.
Ist der Sturz allerdings über eine lose Platte des Gehwegs oder eine Baumwurzel passiert, zählt das zu den äußeren Einwirkungen.

Ist der Abschluss einer privaten Unfallversicherung sinnvoll?

Die Meinung vieler Experten ist es, dass eine private Unfallversicherung Sinn macht.
Im Bereich der Absicherungen gibt es jedoch deutlich wichtigere, die Priorität haben sollten (z.b. Berufsunfähigkeitsversicherung).
In erster Linie soll eine Unfallversicherung die Kosten nach einem erlittenen Unfall abmildern.
Dafür wird durch die Versicherung einmal ein bestimmter Betrag ausgezahlt. Hier sind große Summen in der Regel nur dann nötig, wenn die
Verletzungen sehr schwerwiegend sind. Dazu zählt zum Beispiel ein behindertengerechter Umbau des Autos oder des Hauses oder auch weitere nötige Therapien. Allerdings gibt es, wenn spezielle Voraussetzungen erfüllt sind, auch Hilfen durch den Staat in diesen Fällen. Diese kommen entweder von Pflegekassen, Integrationsämtern oder der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Krankenkasse übernimmt dagegen notwendige Hilfsmittel wie Stützgriffe fürs Bad, Prothesen oder Rollstühle.
Sind die Verletzungen nicht gravierend, dann wird ein Umbau oft nicht nötig. Dennoch ist es wichtig, dass es eine Absicherung für den Fall gibt, wenn nach einem Unfall auf längere Zeit nicht mehr gearbeitet werden kann. In diesem Fall eignet sich allerdings eine
Berufsunfähigkeitsversicherung wesentlich besser. Das Risiko, einen gravierenden Unfall und in Folge dessen eine Behinderung zu bekommen, wird von den Verbrauchern häufig überschätzt. Das statistische Bundesamt hat bekannt geben, dass Schwerbehinderungen als Folge von Unfällen nur in zwei Prozent der Fälle auftreten. Die meisten Schwerbehinderungen, nämlich 85 Prozent dagegen, werden durch
eine Krankheit hervorgerufen. Dies sind genau die Fälle, in denen eine Unfallversicherung nicht einspringt. Die Unfall-Police stellt oft also nur eine scheinbare Sicherheit dar. *

Unfallversicherung vs. Berufsunfähigkeitsversicherung

Wichtiger als eine private Unfallversicherung ist eine BU, also die Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese zahlt nämlich, wenn der als letztes ausgeführte Job für voraussichtlich sechs Monate mindestens nicht mehr ausgeführt werden kann. Die Ursache dafür spielt bei der BU keine Rolle. Sie zahlt sowohl bei psychischen und körperlichen Erkrankungen und nach einem erlittenen Unfall. Somit ist der Schutz, den eine BU bietet, wesentlich höher als der einer privaten Unfallversicherung. Studien haben belegt, dass die Wahrscheinlichkeit rund neun Mal höher ist, den Job wegen einer Erkrankung als wegen den Folgen eines Unfalls nicht mehr ausführen zu können.

Sonderfälle Extremsportler und Kinder

Es ist nicht möglich, Kinder im jungen Alter schon mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung auszustatten. Hier macht die sogenannte Kinderinvaliditätsversicherung mehr Sinn. Denn diese zahlt ebenfalls bei Erkrankungen. Kinder erholen sich von Stürzen häufig schnell und bleibende Schäden sind hier die Ausnahme. Hier ist die Wahrscheinlichkeit noch geringer, eine bleibende Behinderung zu behalten, als bei einem erwachsenen Menschen.

Für den Fall einer Kindesbehinderung gibt es in vielen Fällen einen Anspruch der Eltern auf unterschiedliche Leistungen der Unterstützung.
Extremsportler allerdings sind in manchen Fällen mit einer privaten Unfallversicherung gut beraten.

Hier ist bei der  Berufsunfähigkeitsversicherung oft ein hoher Risikozuschlag fällig, wenn Extremsportarten wie Fallschirmspringen, Tauchen oder Kitesurfen betrieben werden. So wird der Vertrag sehr teuer. Hier kann die Überlegung richtig sein, den Faktor Sport aus
der BU herauszunehmen und dafür eine zusätzliche private Unfallversicherung abzuschließen. So sind Unfälle beim Sport trotzdem abgedeckt. Wichtig ist es hier, durchrechnen zu lassen, ob dies im Preis hinterher wirklich günstige ist.

Ebenfalls wichtig: Unfälle, die in einem Zusammenhang mit Rennsport oder Flugsport entstanden sind, werden von der Unfallversicherung nicht berücksichtigt. Darunter sind Motorrad- und Autorennen, sowie Gleitschirm- und Segelfliegen. Es gibt ebenfalls Anbieter, die sehr gefährliche Aktivitäten der Freizeit ebenfalls aus ihrem Angebot ausschließen. Vor dem Abschluss sollte daher unbedingt geklärt werden, ob Hobbys mit hohem Risikopotenzial mitversichert sind.

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